Diese Webseite versucht einen aktuellen Stand meiner Arbeit und Visionen zu vermitteln.
Einstellung und Orientierung
Es ist wohl das Beste, sich nicht in allzu große Ausführungen über die sinnvolle Einstellung zum Reiten zu verstricken, da andere dies zu früheren Zeiten bereits exzellent formuliert haben. Aus Respekt diesen Reiterpersönlichkeiten gegenüber habe ich eine Auswahl an Zitaten getroffen, die die wesentlichen Gedanken vorzüglich ausdrücken.
Die Reiterei muss nicht neu erfunden werden. Ich habe mich methodisch in erster Linie für den Franco-Iberischen Weg entschieden, da er mir sehr vernünftig erscheint und bei ihm die Leichtigkeit von Anfang an ein wichtiges Kriterium ist. Pferde und Reiter in meiner eigenen praktischen Erfahrung bestätigen, dass mir der Umgang mit diesen Methoden liegt.
Meine Zitate habe ich jedoch aus beiden großen europäischen Schulen, der Deutsch-Skandinavischen und der Franco-Iberischen gewählt. Diese Wahl soll ausdrücken, dass es in jeder Reiterei Leute mit der richtigen Einstellung und großen Fähigkeiten gibt. Ein System, das sich über Ausgrenzung definiert, läuft die Gefahr, im Horizont eingeschränkt zu werden und seine eigenen Grundsätze zu verfehlen.
Wirklich gute Reiterei macht keinen Unterschied zwischen Menschen je nach der Methode, welche gewählt wurde, grenzt also niemanden, der offen und bereit ist, an sich selbst zu arbeiten, aus. Gute Reiterei ist mit verschiedenen Pferden und Rassen möglich, wobei selbstverständlich der Verwendungszweck an die Fähigkeiten des jeweiligen Tieres und seiner Rasse angepasst wird.
Dressurausbildung hat keinen Selbstzweck, sondern dient der körperlichen und geistigen Entwicklung von Reiter und Pferd. Gelingt es, begeisterte, in ihrer Persönlichkeit und ihren körperlichen Fähigkeiten wachsende Reiter und gesunde, gut bemuskelte, langlebige, zufriedene und entfaltete Pferde zu kreieren, bin ich in meiner Arbeit bestätigt und habe eine Orientierung. Diese wird regelmäßig ergänzt, indem ich meine Lehrer und andere mir vernünftig erscheinende Fachleute in meine Arbeit schaue lasse und sie, wenn nötig, tierärztlich durch Osteopathie und Akupunktur begleiten lasse.
Grundsatz
Vernunft soll das Geschehen leiten!
Gibt es einen Grundsatz, dem ich folge, dann ist es der, nicht dogmatisch Grundsätzen zu folgen! Sind sie auch noch so sinnvoll, laufen sie doch unter Umständen Gefahr, ihre eigenen Inhalte zu verfehlen, wenn sie nicht in den akuten Zusammenhang passen. Die Bereitschaft zu haben und sich die Mühe zu machen, in der einzelnen aktuellen Situation auf die Dinge und Anforderungen zu reagieren und unter Umständen völlig neue Entscheidungen zu treffen ist die Kunst und trennt die Spreu vom Weizen. Je besser dieser Vorgang gelingt, desto mehr wird man zu einem guten Interpreten. Erfahrung und Reflexion mit ungeschminkter und konstruktiver Kritik und Selbstkritik, Austausch, Mut zur Entschlossenheit mit viel Gefühl und das Bewusstsein der eigenen Grenzen, führen meiner Meinung nach zu Kompetenz.
Trotzdem gibt es natürlich viele wichtige Grundsätze in der Reiterei, welche die Arbeit leiten, zu Klarheit führen und gute Orientierung bieten. Die Hilfe durch erfahrene Fachleute, die sich nicht immer nur gegenseitig widersprechen, ist unumgänglich, da man die Entscheidungen zu Beginn nicht selbst treffen kann. Ein guter Ausbilder führt jedoch den Schüler bald zu einem mitdenkenden Verständnis, so dass die Selbstständigkeit schnell wachsen kann.
Warum der Bergriff Reitkunst?
Reitkunst: Die Kunst einem Pferd durch Ausbildung zu nutzen und es zu schützen anstelle es auszunutzen. Ein kreativer Prozess kombiniert aus Fachwissen, Reflexion, Methode und Gefühl aus Respekt vor der Kreatur.
Im Reitsport sollen immer höhere Leistungen erreicht werden. Dies kann schnell auf Kosten des Pferdes gehen. Das Richtsystem im Sport beurteilt zu einem großen Teil das Pferdematerial und nicht die Dressur des jeweiligen Pferdes mit all seinen Möglichkeiten und Grenzen. Es ist eine große Kunst, aus begrenzten Pferden etwas zu machen. Demgegenüber gibt es im Sport viele hervorragende Pferde, die nur mittelmäßig gut geritten und ausgebildet sind. Das ist keine Kunst!
In der Reitkunst - wie ich sie verstehe - kann man besser von einer sinnvollen Aufgabe für den Geist des Pferdes gepaart mit einer sinnvollen Gymnastik für seinen Körper sprechen. Man sollte seine Schwächen kompensieren und Stärken hervorheben, ohne immer größere Leistungen anzustreben. Eine artgemäße Haltung des Pferdes vorausgesetzt bietet ein sinnvoller und artgemäßer Umgang dem Pferd Halt und Orientierung in der künstlichen Umgebung. So kann psychische Ausgeglichenheit Wohlergehen und Gesundheit des Pferdes fördern und es dem Menschen angenehmer, zugänglicher und sicherer machen.
Fragen:
Welche Bedeutung könnte die Auseinandersetzung mit dem Pferd und die Reiterei für den Menschen haben?
Mögliche Aspekte einer Antwort auf diese Frage in Stichworten:
Stichwörter: Das Pferd als Symbol für Kraft, Natur, Schnelligkeit, Freiheit; Harmonie und Verschmelzung zweier Wesen; das „Getragenwerden“ (als versäumtes Bedürfnis unserer Kleinkindzeit) und Körperkontakt; das Ausüben von Machtbedürfnissen; das Pferd als Spiegel für die eigenen charakterlichen Stärken und Schwächen; als Strukturierung von Verhalternsweisen in Interaktion mit anderen, z.B. fordert Aktion Reaktion, bei Nichterreichen konsequente, beharrliche Wiederholung evtl. mit Verstärkung.
Reiten ist körperliche Betätigung: Körperbeherrschung, Koordination, Entspannung, Durchlässigkeit, um Bewegung zu folgen, Betätigung des ganzen Körpers ohne zu großen Verschleiß, insbesondere Stärkung und Beweglichkeit des Rumpfes (Vorbeugung Rückenleiden etc., wenig Belastung der typischen Schwachstellen des Menschen wie Knie, Hüfte, Fußgewölbe, Rücken) Förderung von Balance, Ökonomie und Effektivität durch Schwerpunktverschiebungen.
Portrait
Sobald man die Arbeit mit dem Pferd wirklich ernst nimmt, ist sie in meinen Augen eine Herausforderung. Sie ist Charakter- und Körperschule gleichermaßen und spiegelt schnell die Schwächen und Themen auf diesen Gebieten. Nimmt man diese Herausforderung an, erkennt man, dass der Weg das Ziel ist und man schnellen Erfolgen immer skeptisch gegenüberstehen sollte. Die Lehrzeit in der Reiterei endet nie. Sofern man dies nicht erkennt, ist meiner Meinung nach den Fähigkeiten damit direkt eine Grenze gesetzt. Die Reiterei ist eine anspruchsvolle Schule.
Die Pferde sind es, die diesen Weg am allerdeutlichsten bestätigen. Ob man nun mit einem jungen, völlig unverdorbenen Pferd oder mit einem körperlich und psychisch belasteten Pferd arbeitet: beide spiegeln die Arbeit durch wachsendes Selbstvertrauen, durch richtigen Muskelaufbau und durch Motivation. Wenn Pferde mit Angst, Muskelschwund und zahlreichen anderen Problemen nach relativ kurzer Zeit große Veränderungen zeigen, bin ich in meiner Arbeit bestätigt. Dies gelingt oftmals ohne Hilfe eines geeigneten Tierarztes oder Heilpraktikers, einfach durch gezielte Übungen, die zu Vertrauen, Verständigung und Entspannung führen. Das heißt natürlich nicht, dass ich den geeigneten Einsatz von guten Tierärzten und Heilpraktikern ablehne im Gegenteil! Jedoch konnten Pferde beispielsweise durch reine „Zeitlupenschrittarbeit“ wieder zu Muskelpaketen entwickelt werden. Einfach und allein, weil die Durchblutung und damit die Versorgung der Muskulatur durch Entspannung wieder gewährleistet war und Blockaden gelöst wurden. Probleme wie Rückenleiden und Lahmheiten bis hin zu Hufspalten verschwinden meistens.
Diese Arbeit führt selbstverständlich zu einer sicheren und angenehmen Rittigkeit. Viele Unarten der Pferde verschwinden, wenn man ihre körperlichen Probleme löst und mit ihnen in klare, direkte und einfach strukturierte Kommunikation tritt. Das Pferd bekommt eine Chance, das von ihm erwartete verstehen zu können.
Es ist für mich selbstverständlich, dass Dressur etwas für das Pferd ist. Absurd, dass heutzutage - im Sport beispielsweise Pferde ausgerechnet der Dressur zum Opfer fallen. Damit ist der eigentliche Sinn und Zweck jeglicher Dressur in ihrem ursprünglichen Sinn verfehlt!
Für mich waren immer nur Ausbilder interessant, die Ihre Pferde bis in hohe Alter gesund, leistungsfähig und zufrieden gehalten hatten. Trainer, bei denen die Pferde krank, ständig ausgetauscht werden und auf der Strecke bleiben sind für mich uninteressant!
Diese Aufgabe ist unter Umständen mit Verzicht auf den schnellen Erfolg verbunden. Aber der größte Lohn für diese Arbeit sind die zufriedenen Pferde und ihre sie liebenden, begeisterten Besitzer.
Viele meiner Schüler nutzen die Reiterei zu einer konstruktiven und reflektierenden Auseinandersetzung mit sich selbst. Man arbeitet an persönlichen Themen, bei denen man auch an vielen anderen Stellen im Leben an seine Grenzen kommt. So kann bei dieser schönen Tätigkeit einiges an Persönlichkeitsentwicklung stattfinden.
Leute, die Ihre Pferde wie ein Sportgerät nutzen oder nur auf den schnellen Jubel auf dem Turnier, egal auf welchem Weg oder welchem Pferd aus sind, gehören nicht zu meinen Schülern.
Leider passt dieser Ansatz nicht in den aktuellen Zeitgeist, in dem alles schnell gehen muss und erkauft werden kann. Aber - oder vielleicht gerade deshalb - wächst bei einigen genau der Wunsch nach einer weniger oberflächlichen und mehr reflektierten Beschäftigung mit sich selbst und dem Pferd. Und so blicke ich der Zukunft sehr optimistisch entgegen und bin dankbar, wenn ich einen kleinen Teil dazu beitragen kann.Aufgabenstellung und Zukunftsvisionen
Es gibt zwar in meinen Augen bessere und schlechtere Methoden, aber genauso entscheidend wie ihre Wahl ist ihre Interpretation. Die Frage zu beantworten, wie man nun zu einem guten Interpreten wird habe ich mir zur praktischen und theoretischen Aufgabe gemacht.
Ich schöpfe dabei auch aus meiner eigenen praktischen beruflichen Erfahrung im Ausbilden der Pferde und Unterrichten der Reiter.
Darüber hinaus stellt sich mir im Reiten wie auch in anderen Lebensbereichen die Frage: Was begrenzt das Ausschöpfen unserer persönlichen Kapazitäten am meisten? Sind es vielleicht Zustände wie Angst, Überehrgeiz, Komplexe, Misstrauen uns selbst und anderen gegenüber, Inkonsequenz, zuviel oder zuwenig Struktur, Unklarheit, zuviel oder zuwenig Härte und Durchsetzungsvermögen, Mangel an einfacher und klarer Kommunikationsfähigkeit, Mangel an Reflexionsfähigkeit oder Mangel an realistischer Selbsteinschätzung usw. Letztere beinhaltet auch zu seinen eigenen Schwächen stehen können. Oft werden beim Reiten diese Themen sichtbar. Meist können meine Schüler von sich sagen, dass sie die ein oder andere Thematik, sei sie nun positiv oder negativ auch aus anderen Lebensbreichen kennen.
Die Arbeit mit dem Pferd eignet sich meiner Erfahrung nach wirklich, um sich daran zu entwickeln. Dass das Pferd eine gute Projektionsfläche ist, ist keine neue Erkenntnis (vergleiche Zitate).
Ich verstehe meine Arbeit auch in diesem Sinne.
Wichtig ist mir, nicht immer auf andere zu zeigen, „die alles falsch machen“ („Seht nur, wir machen es besser!“), sondern konkret in der Praxis an der Umsetzung eines guten Konzeptes mitzuwirken. Wie könnte nun eine sinnvolle Ausbildung von Reitern und später auch Reitlehrern aussehen?
Vorstellbar wäre eine Zusammenarbeit von Reitern auch aus verschiedenen Methoden und Bereichen kommen. Leider gibt es in Reiterkreisen oft relativ wenig Austausch unter Profis. Sie sind meist in Konkurrenz zueinander und helfen sich wenig. Es gibt zwar Lehrer und Schüler, aber einen regen Erfahrungsaustausch unter Ausbildern gibt es selten. Dialoge und Kommentare zeichnen sich mehr durch Abgrenzung aus, als durch konstruktiven Erfahrungs- und Methodenaustausch. Ich würde gerne verschiedene Leute an einen Tisch oder besser in eine Reithalle holen.
Da ich in meiner Arbeit oft an die Grenzen meines Faches in Bezug auf die Psyche und Physis besonders der Reiter komme, könnte es darüber hinaus interdisziplinär zur Zusammenarbeit mit Fachleuten aus folgenden Bereichen kommen: Physiotherapeuten, Pädagogen, Psychologen und Ärzte oder Heilpraktiker mit ganzheitlichem Ansatz. Sie alle könnten Reitern und Reitlehrern nützlich sein:
-Physiotherapeuten, Ärzte und Heilpraktiker, um sich mehr um die körperlichen Belange von Reiter und Pferd kümmern, wie z.B. Blockaden, Verspannungen, Einseitigkeit und Beweglichkeit.
-Pädagogen für die gute Vermittlung der Lehrinhalte und als Supervision Gruppen- bzw. Lehrer-Schüler-Dynamik transparent zu machen.
-Psychologen könnten bei Schwierigkeiten stützen (Ich habe oft erlebt, dass Leute bei Reitkursen eigenen und anderen emotional sehr berührt waren, als sie sehr intime und tief sitzende Eigenschaften berührten). Sie könnten auch helfen Ängste, Minderwert, Aggressionen, Machtbedürfnisse usw. aufzuspüren und beim Umgang mit diesen Empfindungen Orientierung bieten. Ohne, das alles was abläuft gleich als „pathologisch“ abgestempelt wird.
Allerdings soll das „Projekt“ nicht auf eine „Selbsterfahrungs-Veranstaltung hinauslaufen, bei der sich jeder immer mehr nur um sich selbst und seine Probleme dreht. Vielmehr geht es darum, in eine Lage versetzt zu werden, in der man sich wirklich einer Sache verschreiben und widmen kann.
Beispielsweise birgt der Reitsport leicht die Gefahr, die Richtung zu verlieren, nur um kurzfristigen Erfolg auf Kosten der Pferde auf Turnieren zu erzielen oder sich mit fremden Federn zu schmücken, wie etwa beim „Erkaufen“ von Erfolgen: Dies kann ein Defizit an Selbstwert und Anerkennung in der Gemeinschaft immer nur Kompensieren nicht aufheben.
Erfüllender könnten Tätigkeiten sein, hinter denen man auch nach genauerem Hinsehen noch stehen kann. Vielleicht könnte man so aus einer Passion wie dem Reiten wirklich auch für andere Lebensbereiche schöpfen. Sei es als Freizeitgestaltung oder als Berufung.
Darüberhinaus frage ich, wie Ausbildung in einem „ganzheitlichen Ansatz“ funktionieren kann.
( Zukünftig mögliche Lern-und Pädagogik-Konzepte: Themenzentrierte Interaktion und ästhetische Erziehung)
Natürlich ist auch zu klären, ob die Ressourcen, die bei einem solchem Ansatz verbraucht werden, von den freigesetzten Kapazitäten aufgewogen werden können. Schade wäre, wenn dies ein Konzept für einige wenige bleiben müsste, die sich einen solch komplexen Ansatz überhaupt leisten können.
Bezüglich des Reitunterrichts für Kinder müsste ein anderes Konzept erarbeitet werden, bei dem sie spielerisch und weniger eigenverantwortlich mit den besten Methoden vertraut gemacht werden.
Wo sind die Neugierigen und Mutigen für solche Ansätze? Über Beiträge und Kommentare würde ich mich freuen!
Damit bin ich noch lange nicht am Ende meiner Überlegungen und es wird wohl der Weg das Ziel bleiben.
Da ich mich sehr für Philosophie interessiere, werde ich versuchen philosophische Konzepte in der Zukunft mit zu verarbeiten. Es gibt einige Ansätze, die bei der Frage hilfreich sein können, welche Bedeutung der Mensch in der Natur hat und wie er seine ethische Haltung entwickeln kann.