Zitate

Alois Podhaisky
(ehemals Leiter der spanischen Reitschule in Wien) 1965

„Mehr als jede Kunst ist die hippische mit den Weisheiten des Lebens verbunden. Viele ihrer Grundsätze können jederzeit als Richtlinien für das Verhalten im Leben dienen. Diese Erkenntnis zeigt deutlich den außergewöhnlichen erzieherischen Wert des Reitsports. So wie der Reiter nur durch körperliches und geistiges Gleichgewicht erfolgreich sein wird, geradeso braucht der Mensch dieses Gleichgewicht in seelischer, ganz besonders in charakterlicher Hinsicht, um sich im Leben durchzusetzen.

Das Pferd lehrt den Menschen Selbstbeherrschung, Konsequenz und Einfühlung in Denken und Empfinden eines anderen Lebewesens – es fördert also Eigenschaften, die für unseren Lebensweg außerordentlich wichtig sind. Ein wahrer Jünger der Reitkunst wird darüber hinaus durch den Umgang mit seinem Pferd lernen, dass nur die Liebe zum anderen Lebewesen und das gegenseitige Verstehen das Erreichen von Höchstleistungen ermöglichen.

Die Grundsätze der Reitkunst stehen fest – man hat nur keine absolut gültigen Regeln für den Weg, der einzuschlagen ist. Das gründliche Studium dieser Grundsätze hat im Laufe der Jahrhunderte Erfahrungen sammeln lassen, die dem Reiter von heute jederzeit als Anleitung dienen können und unnütze Zeitvergeudung mit untauglichen Versuchen verhindern sollen. Dagegen gibt es keine Vorschriften für den Fall auftretender Schwierigkeiten; Mittel, die sich bei dem einen Pferd als wirksam erweisen, können bei dem anderen ohne Erfolg sein. Man kann eben das Reiten, wie so vieles im Leben, nicht aus Büchern allein erlernen. Es wird vielmehr ein ständiges Ausprobieren der verschiedenen Möglichkeiten zum vollen Erfolg führen.“

Nuno Oliveira (portugiesischer Reitmeister) 1961:

Aus den Briefen an Michel Henriquet

„Ich glaube, dass es zwei Arten von Reitern gibt, solche, die ihr Pferd recht geschickt wie ein Werkzeug benutzen, und solche die es lieben und die wollen, dass es alle Eleganz zum Vorschein bringt, die es nur haben kann.

Die ersten sind nicht weniger Experten als die letzteren. In Dressurprüfungen mögen sie gar überlegen sein, weil sie nie das Risiko eines Fehlers aufgrund eines Nachgebens der Hand oder zugunsten der Légèreté eingehen. Die letzteren sind immer in Gefahr die verkannten Meister dieser Kunst zu sein. Von der großen Masse der Reiter werden sie nicht verstanden, da diese den Unterschied in den eingesetzten Mitteln nicht erkennen.

Nur die letzteren genießen jenes echte Vergnügen, ein Pferd unter dem Sattel zu haben, das ohne Zwang mitarbeitet, wie ein Freund.“

„Die Leichtheit ist es, welche der Reitkunst ihr wahres Siegel verleiht und zugleich dem Reiter, der sie ausübt, das wahre Wesen seines Talents.

Nur bei der Arbeit in Leichtheit befindet man sich wirklich in der Reitkunst, alles andere ist Stümperei Unwissender.“

„Die wahre Leichtheit besteht nicht nur in der Nachgiebigkeit des Unterkiefers, sie beinhaltet auch Gangfreude, Gleichgewicht, Ausstrahlung und Abwesenheit von Widerständen.

Keine dieser Eigenschaften kann ohne Leichtheit erreicht werden. Leider haben die Dressurvorführungen, die man heute in den offiziellen Wettbewerben sieht, nichts mehr mit der akademischen Reitkunst zu tun. Das ist ein übler Zirkus. Da sieht man routinierte Pferde, die keinerlei Anmut zeigen, und deshalb verliert die Öffentlichkeit den Sinn für die Hohe Schule und das Interesse daran.

In dieser Kunst wie in allen anderen Künsten muss man „schön“ auftreten, sonst ist es keine Kunst.

Zeigen sie einem Publikum, auch wenn es wenig von der Reiterei versteht, geschmeidige, leichtgängige Pferde mit Ausstrahlung, so wird es sofort angetan sein. Wenn sie aber matte, mechanisch und ohne Schönheit arbeitende Pferde präsentieren, interessiert das höchstens zwei oder drei Menschen. Die Reitkunst darf nicht untergehen. Sie gehört zu unserer europäischen Kultur und Zivilisation.“

„Man muss in der Leichtheit arbeiten. Alles andere ist die Tötung der Unschuldigen Kinder.“ 

Steinbrecht (deutscher Reitmeister) 1884

„Wenn man viele Reiter sieht, deren Pferde zwar alles Mögliche machen, aber durch totes Maul und schlaffe Bewegungen einen so traurigen Eindruck machen, so liegt dies nur daran, dass den armen Tieren durch unvernünftige Überbürdung das Herz gebrochen worden ist. So wird jeder wahre Freund des edlen Pferdes weit mehr denjenigen Reitern Anerkennung zollen, deren Pferde nur natürliche Gänge, dafür aber Kraft und Eifer zeigen sowie ein freundliches, munteres Gesicht machen.

Kenntnis Fleiß und Geschicklichkeit täten es immer noch nicht allein in der Pferdedressur, wenn nicht wahre Liebe zu diesem so schönen und liebenswürdigen Geschöpf und ein inniges Verständnis für seine Natur damit verbunden sind.

Es ist daher nur zu wichtig, ein Pferd in der Arbeit stets sorgfältig zu beobachten, ob auch Feuer und Kraft bei ihm nicht schwinden, damit man nachher keine tote Maschine hat, die niemandem mehr recht Freude bereiten kann.

Wer wirklich ein Meister der Reitkunst werden will, muss neben vielen anderen guten Gaben auch über die verfügen, dass ihm schon die Bewältigung von Schwierigkeiten an sich Vergnügen macht und seine Stimmung nicht nur nicht getrübt, sondern dadurch sogar noch gehoben wird“

Philippe Karl (französischer Reitmeister) 2006

Aus dem Buch „Irrwege der modernen Dressur“ über die von ihm gegründete „Schule der Légèreté“:

„Eines der Grundprinzipien der Schule der Légèreté ist der absolute Respekt gegenüber dem Pferd. Die Schule der Légèreté orientiert sich an den Meistern, die zu dieser reiterlichen Philosophie beigetragen haben: Xenophon, Fiaschi, La Broue, Pluvinel, La Guérinière, Dupaty de Clam, Hühnersdorf, Freiherr von Sind, Baucher, Raabe, L’Hotte, Faverot de Kerbrech, Beudant, Oliveira…

Die Légèreté (Leichtheit) ist nicht etwa eine reine Absichtserklärung mit poetischem und esoterischem Charakter, sondern ein effizientes und messbares reiterliches Konzept. Sie schließt jeden Einsatz von Kraft oder Zwangsmitteln aus, richtet sich an alle Pferderassen und lässt sich auf alle reiterlichen Disziplinen übertragen.

Die Schule der Légèreté stützt sich auf eine gründliche Kenntnis des Pferdes, stellt sich immer wieder in Frage und verfeinert ihre Lehren unter dem Einfluss von Fortschritten jeder Art, wie sie die Erkenntnisse in der Anatomie, Physiologie, Bewegungs- und Gleichgewichtslehre, Psychologie und Ethologie mit sich bringen.

Schließlich ist sie ständig bestrebt, ihre Effizienz zu steigern und ihre Mittel immer sparsamer einzusetzen, um das Pferd optimal zur Geltung zu bringen und dem Reiter die besten Möglichkeiten für seine persönliche Entfaltung zu öffnen.“

Philippe Karl in seinem Buch zu dem Thema: Klassisch or not klassisch?

Eine Definition: Was ist klassisch?

„Schlussfolgerungen

Dieser Überblick über die Geschichte der Reitkunst offenbart einen roten Faden: Die Reitkunst hat immer dann Fortschritte gemacht, wenn sie Gewalt durch Intelligenz ersetzt hat – indem sie Zwangsmittel abgeschafft und materielle Hilfsmittel vereinfacht hat, anstatt die Auswirkungen anzugehen, und die wahre Natur des Pferdes immer besser erfasst hat.

Damit wird offensichtlich, dass die Bezeichnung „klassisch“ allzu häufig auch dann verwendet wird, wenn die Begriffe „typisch“, „traditionell“ oder „konventionell“ vollauf genügen würden. Auf die Reiterei bezogen ist der Klassizismus eine Geisteshaltung, die sich über die Epochen, Grenzen und Spezialgebiete hinwegsetzt – ein zugleich ethischer und ästhetischer Anspruch im Dienste der Reitkunst. Er verwirft Bequemlichkeitslösungen, die auf Kosten des Pferdes gehen, in einem ständigen Streben nach Effizienz durch Sparsamkeit der eingesetzten Mittel. Er lehnt spektakuläre Effekte ab, widmet sich der Reinheit der Gänge und jenen Lektionen, die das Pferd verschönern und seine Langlebigkeit garantieren.“

Oberst H. Handler (wiener Reitmeister) 1972

„Das Wort „klassisch“ ist gleichbedeutend mit dem geistigen Inhalt dessen, was als kulturelles Erbe der Griechen und Römer auf uns gekommen ist: Klassisch heißt, Schönheit und Harmonie, Aufhebung des Besonderen im Typischen, idealer Einklang zwischen Psyche und Physis.

All das gilt – im Unterschied zu den anderen Reitkünsten – auch für das, was wir unter dem Begriff der „Klassische Reitkunst“ verstehen. Erst Reiter und Pferd zusammen ergeben ein Kunstwerk, das nur allzu kurzlebig ist und nur in der Bewegung sichtbar wird. Ihr wichtigster Bestandteil muss spielerische Leichtigkeit und Bewegungsharmonie sein.“

Kurt Albrecht (ehemals Leiter der spanischen Reitschule Wien) 1996

„Ausbildung darf immer nur Verfeinerung und Vervollkommnung der Natur darstellen. Wird diese Natur auch nur im Geringsten vergewaltigt, verliert sie ihren durch nichts zu ersetzenden Stellenwert. Wer einem so stolzen, herrlichen Geschöpf dieser Schöpfung seinen Adel nimmt, degradiert es – und gleichzeitig sich selbst als Mensch.

Die Ausbildung eines Pferdes hat erst dann wieder die Chance, zu einer von Freude erfüllten Tätigkeit zu werden, wenn man nicht ausschließlich Trophäen ansteuert, sondern auch die unendlich vielen Kleinodien, die sich dem Reiter auf dem Weg zum Ziel darbieten, zu erkennen und zu schätzen gelernt hat. Schablonen sind am besten geeignet, diese Kleinodien zu verdecken und unsichtbar zu machen.“

James Fillis (englischer Reitmeister) 1894

„Diejenigen Reiter, die sich irgendwelcher Hilfsmittel bedienen, sind nicht imstande, sich dem Pferd verständlich zu machen, weil sie niemals dahin gelangen zu seiner Intelligenz zu sprechen. Wer Hand und Schenkel durch Instrumente ersetzt, lässt an der Stelle von lebendigen – tote Hilfen treten!

Je mehr Hilfsmittel man anwendet, desto geringer ist der Fortschritt! Da diese Hilfsmittel die Arbeit erleichtern, gibt man sich nicht hinreichend Rechenschaft über das „Warum“, und aus diesem Grund ist es meist unmöglich, das „Darum“ zu erforschen. Will man dahin gelangen, das Pferd mit Sicherheit zu beherrschen und jeder Eventualität begegnen zu können, so darf man sich nur der Hand und des Schenkels bedienen. Die Schwierigkeiten sind dann zwar größer, aber sie zwingen den Geist zu unausgesetzter Beobachtung und Erforschung.“

Jean Claude Racinét (französisch/amerikanischer Reitmeister 2005 über Francois Baucher (französischer Reitmeister) 1884

„Losgelassenheit heißt nur jene Muskulatur ins Spiel zu bringen, welche für den Bewegungsablauf unbedingt notwendig sind. Ein insgesamt entspanntes Lebewesen gibt es ebenso wenig, wie völlig verspanntes! Losgelassenheit ist nicht die totale Entspannung!

Die Frage, wo mit Losgelassenheit zuerst begonnen werden soll, kann nicht mit völliger Sicherheit beantwortet werden: Ob bei den Hanken, damit sie den Rücken schwingen machen und den Hals richtig buskülieren?

Ob bei Kopf und Hals, weil Klarheit und Reinheit von hier auf den ganzen Körper ausstrahlen?

Ob beim Rücken, als tragende Verbindung zwischen Hinter- und Vorhand?“

Von Holbein 1898 in den „Direktiven“ (Spanische Reitschule Wien)

„Das ganze Streben müsse darauf gerichtet sein, die meist nur durch mündliche Überlieferung entstandenen unrichtigen Begriffe und Ansichten durch Einfachheit und Wahrheit zu berichtigen und zu klären, um so – selbstverständlich immer an Hand bewährter Meister – auch in der Hohen Schule auf natürlichem, einfachem, zwanglosem, das heißt methodischen Wege das Pferd bis zur höchsten Vollkommenheit auszubilden. Die Reitkunst müsse durch Einfachheit und Wahrheit vom Banne der Mystik befreit werden.